EU-Freihandelsabkommen erzeugt Panik im Whiskyuniversum

Quer durch die Whiskyrepublik wird Blog rauf, Foren runter in den letzten Monaten diskutiert: Über die ansteigenden Preise, Lieferengpässe wegen knapper Lagerbestände, Mega – Investitionen und Übernahmen, No-Age-Whiskys zur Befriedigung der Nachfrage,…

Die steigende Nachfrage der letzten Jahre sorgt für richtig Bewegung am Markt und gleichzeitig wächst die Sorge der Maltheads hierzulande – mich eingeschlossen – ob man sich denn sein Lieblingsmalzwasser zukünftig noch wird leisten können. Viel schlimmer: ob überhaupt noch genug davon den Weg von Schottland nach Good old Germany findet oder direkt nach Asien geschippert wird.

Gerade zu Beginn der Woche erschien die Millionairs-Liste –|| hier || mein Beitrag dazu – und es schien, als dürfte aufgeatmet werden: Gott sei´s gedankt, die Inder trinken im Wesentlichen ihren eigenen Whisky und wenn überhaupt Ausländische, dann in der Regel Blends. Amrut und Co. produzieren und setzen Volumina ab, da träumt der Hochlandschotte im Pausenraum seiner beschaulichen Malzbutze nicht mal davon. Soweit alles gut – Entspannung macht sich breit – Alles easy ;-). Denkste….

Was darf ich da heute in der TAZ lesen – und zwar mal so ganz nebenbei, weil es da eigentlich um einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens geht. Ich zitiere:

[…Indien. Dort wird fast genauso viel Whisky wie in den restlichen Ländern der Welt zusammen getrunken. Trotzdem ist Indien für die schottischen Exporteure wenig lukrativ, zumindest bislang. Wegen der Importsteuer von 150 Prozent brennen die Inder selbst Whisky und geben ihm schottische Namen.

Doch das könnte sich bald ändern. Denn die EU verhandelt zurzeit über ein Freihandelsabkommen mit Indien, sodass sich künftig nicht nur die reichen Inder das importierte Getränk leisten könnten.]

PANIK !!!

Das würde schon ein Stück weit erklären, warum schottische Malts aktuell im „globalen Rahmen“ keine Rolle spielen, aber vor allem das kleine bißchen Horrorshow mit einem Ruck aus der Kiste holen, in die ich Sie gerade eingemottet hatte: ein paar wenige Milliönchen Mitstreiter aus Indien mehr um die schottischen Qualitätsmalzwasserreserven. Gerade habe ich noch entspannt über die Frage nachgedacht, ob ich mir wohl demnächst einen 25 jährigen Talisker ordern soll und schon, plumps, finde ich mich wieder im großen Sumpf der Weltpolitik.

Ich hoffe jetzt einfach mal auf eine eigene Erfahrung auf der diesjährigen Whisky Fair:

Ich hatte dort einen „angeblich“ 8jährigen Amrut mit Sherry-Finish (ich glaube es war der Amrut Intermediate Sherry). Ich bin wirklich skeptisch ran gegangen und wollte unbedingt was Schlechtes finden, um dem Typen am Stand mal richtig was zu geigen.
Jetzt lassen wir mal den Messefaktor weg: Das war nicht übel, nein, sogar recht in Ordnung.

Und das ist gut so, denn mir ist ehrlich gesagt lieber, die süffeln Ihr eigenes Zeuch, was ja eben auch eine entsprechende ordentliche Qualität aufweist, als dass Sie uns unseren Scotch wegnippen. Nicht weil ich mir jetzt zu fein wäre auch mal einen Inder zu gönnen. Ich will  einfach nicht nach Indien fliegen um zukünftig meine Lieblingsspritbude zu besichtigen icon_wink.gif.

Noch ein Anmerkung am Ende zum Thema „Na, dann trinken wir halt Deutsch“:

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt unbeliebt mache und richtig „Haue“ bekomme: der Amrut auf der Whisky Fair war sogar um Längen besser als das Meiste, was unsere einheimischen Edelobstbrenner zusammenbrutzeln, weil Sie den Trend der letzten Jahre verschlafen haben und jetzt auf die Schnelle versuchen, Ihre Kupferwannen mit gemälzter Gerste auszulasten, um dann anschließend mit viel „Marketing-Blabla“ nach den notwendigsten 3 Jahren Fasslagerung (ja….Lagerung, denn von Reifung kann man da nicht sprechen) das zighundertfache an Deckungsbeitrag aus dem Gerstenobstler rauszuholen (Ausnahmen herausgenommen).

Deckuuung!!!!!

One Thought on “EU-Freihandelsabkommen erzeugt Panik im Whiskyuniversum

  1. Ein sehr interessantes Thema, das du da ansprichst. Mir scheint jedoch, als hätten die Schotten den Indischen Markt längst eingeplant. Viele Brennereien haben in den letzten 2-3 Jahren ihre Kapazitäten stark ausgebaut, und die Neugründungen und Wiedereröffnungen der jüngsten Vergangenheit basieren gewiss nicht auf irgendwelchen Wachstumsprognosen für good old Germany… Leider werden wir noch ein paar Jährchen warten müssen, bis wir von diesen Produktionssteigerungen auch was merken. Vielleicht sollten wir uns tatsächlich die Wartezeit mit Amrut und Co. versüßen;-)

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