Winnweiler bleibt pfälzisch und die Elwedritsche ist nicht mit Nessie verwandt

Bischoff_Malt_2Nach der ersten Vorstellung vorgestern hieß es jetzt aber ran: an den Bischoff Malt. Schon das Erste vorsichtige Einsaugen der Luft aus dem Glas schreit einem eine Tatsache überdeutlich ins Gesicht: Dieser Tropfen hat nichts, aber auch gar nichts mit seinen schottischen Brüdern und Schwestern zu tun.

Liebhaber deutscher Getreidewässer legen allerdings gerade darauf ja auch Wert und postulieren allenthalben, dass das ja auch so sein solle und müsse. Nun gut, da die Tatsache nun auch olfaktorisch feststeht, dass dieser Malt aus der Pfalz und eben nicht aus den Highlands stammt, mir aber gleichzeitig die Erfahrung mit deutschen Whisky fehlt, beschränke ich mich im Folgenden dann doch auf eine möglichst nicht vergleichende Wiedergabe meiner Degustationserfahrung mit dem Tropfen.

1. Schluck

Nase:

fruchtig, süßer Beginn mit einer Assoziation nach einer Waldwiese mit Tannen, Veilchen und Lawendel – fast schon ein wenig wie eine Duftsäckchen oder ein Raumspray – mit einer leichten Klebstoffnote darunter, die durchaus von den Ex-Bourbon-Fässern mit durchschimmern kann, wenn diese First-Fill-Fässer waren. Danach kommt der Holzeinfluss durch, allerdings tatsächlich frisches „Holz“ und weniger die typischen Vanille und Karamellnoten.

Gaumen:

Ein knackiger, fester Antritt, süß und fruchtig. Auch hier recht schnell ungewohnte würzige Wald- und Wiesenaromen: Lavendel, Wacholder und Akazien. Von hinten drückt sich das Fass kräftig durch, enthält dabei im Wesentlichen echtes „frisches Holz“ und trägt nur eine Spur Vanille mit sich.

Abgang:

Der Abgang ist vergleichsweise lang und komplex für einen jungen Malt, aber auch kantig und unausgewogen.

 

 2. Schluck

Nase:

Nach dem ersten Schluck und einem Tropfen Wasser wird die Waldwiese blumiger, aber zugleich muskulöser, die Süße wird etwas von würzigen Noten, fast schon Nadelbäume, verdeckt . Auch das Holz öffnet sich ein wenig und lässt mehr Vanille durch, aber auch ungewohnte Aromen nach Lakritz und ätherische Öle mit Assoziation nach Tannenharz und Nelken (Klosterfrau Melissengeist ?).

Gaumen:

Der Antritt ist etwas weicher, zuckrig süß mit einer Spur Waldhonig. Auch diesmal wieder die Wald- und Wiesenaromen, ergänzt um die ätherische Komponente. Am Ende schlägt das Holz wieder kräftig ein.

Abgang:

Der Abgang ist auch nach dem zweiten Schluck lang und komplex, pendelt extrem zwischen dem waldig, blumigen Destilleriecharakter und dem Fass hin- und her.

 

FAZIT:

Pfalz bleibt Pfalz und die Highlands schottisch. Dieser Tropfen hat nur wenig mit einem Inselbewohner zu tun. Hat man sich zu dieser Einsicht jedoch durchgerungen, weiß er für Liebhaber deutscher Whisk(e)ys bestimmt zu gefallen. Allerdings ist er mit seinen kräftigen Aromen sicher nicht für jeden Abend und zum „Nebenbei“ Wegschlucken auf einer Party geeignet, sondern ein wenig Hingabe und Muse hat er schon verdient.

Einzig im Bereich der Fassreifung könnte man – meiner Meinung nach – deutlich nachlegen. Hier schwingt das Pendel allzu stürmisch von links (Destillerie) nach rechts (Fass), ohne dass sich ein harmonisches Miteinander einstellt. Das wiederum ist allerdings nicht zu verwunderlich bei einem Whisky mit jungen Jahren in Verbindung mit einer Single-Cask Abfüllung. (6.0/10)

2 Thoughts on “Winnweiler bleibt pfälzisch und die Elwedritsche ist nicht mit Nessie verwandt

  1. Slyrs und Co. on Juli 8, 2013 at 17:47 said:

    Da hasche aber grad noch so die Kurve kriet-… Kolleeesch! Hier über unsern gude deitsche Whisky herziehe wolle…;-))).

    Ne Spaß, hasche ganz odentlisch gemacht….Merci für die Artikel.

    • maltsandmetal on Juli 9, 2013 at 21:01 said:

      Ach was. Hätte ich doch niiiiieee im Leben getan. (Achtung: Sarkasmus-Alarm!!!). Aber nimm es sportlich: Ich trinke Euch Euren Stoff nicht weg und wenn das deutsche Gebräu weiter auf diesem „schwindelerregenden“ Niveau verbleibt, seid Ihr ganz bestimmt auch vor den Indern sicher…Hehe!!!

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