Inchmurrin oder ab wann ist bunt zu bunt?

Von den lowest Low- bis zu den highest Highlands, von Glen Scotia über Strathisla…aktuell vollziehen reihenweise Brennereien radikale New-Branding-Re-Design-Aktionen, oder wie auch immer man das im Marketing-Jargon nennt. Als Controller begegne ich diesen Disziplinen von Natur aus eher mit einer gewissen skeptischen Distanz. So lange damit am Ende mehr Umsatz generiert als Budget verbrannt wird….meinetwegen ;-).

Einerseits glaube ich immer noch daran, dass ein guter Whisky nicht unbedingt eine megahippe Hubba-Bubba-Verpackung braucht, um sich zu verkaufen. Geschweige denn irgendwelche mystisch anmutenden Marketing-Texte zur Historie der Brennerei. Andererseits muss ich zugeben, dass meine Phantasie da schon manchmal mit mir durchgeht und ich das nicht sooooo schlecht finde.

Ich sehe hier im Übrigen Analogien zu Manowar ;-).  „Nein, Manowar ist doch albern, lächerlich und total stupide und so….“. Aber Hand auf´s Herz, in welchem Kopf-Kino startet nicht der Ritt zur Schlacht auf einem Wirbelsturm aus Feuer, wenn im richtigen Moment „The crown and the ring“ aus den Boxen dröhnt.

Ich schweife ab: Nehmen wir mal den 18-jährigen Inchmurrin aus der Brennerei Loch Lomond, den ich im Übrigen gerade vor mir habe und der sehnsüchtig auf seine erste Verkostung wartet.

Das hier ist

Loch Lomond

die Brennerei Loch Lomond (das Bild ist übrigens aus dem Archiv von The Whisky Store aus whisky.de, denn ich war selbst noch nicht dort). Möchten wir das auf einer Umverpackung oder einem Flaschendesign sehen?

Nicht wirklich, oder?

 

Also was tun, wenn man als Brennerei nicht Highland Park, Springbank oder Dalwhinnie heißt und die eigenen Gebäude so weit von schottischen Denkmallisten entfernt sind, wie die deutschen Single-Charts für Promince? Wir schaufeln uns vom Controller ein wenig Budget für’s Marketing frei und engagieren entsprechende Berater.

Inchmurrin_18J

Und raus kommt dann das:

Man finde einen vielsagenden Namen: Inchmurrin (eine Insel im Loch Lomond) und erschaffe eine Szenerie mit einem von Nebelschwaden durchzogenen Waldstreifen,  einem stimmungsvollen Halbmond, abgerundet durch  einen Adler, der die Lüfte durchstreift… ich spüre die feuchte Kälte der Nacht die Hosenbeine hochziehen, höre den Kautz in der Ferne rufen während ich mit meinem Dram am Ufer Inchmurrins in der dunklen Einsamkeit sitze und meinen Dram genieße.

Na gut, so richtig funzen tut´s irgendwie nicht. Vielleicht muss noch der ein oder andere Dram gelehrt werden, aber eine Bereicherung ist es doch allemal. So lange jetzt nicht alle diesen Weg komplett ausreizen und die ein oder andere konservative Brennerei mit Tradition beim guten, alten „Eiche rustikal“-Design bleibt: Ich habe nichts dagagegen ;-).

Denn am Ende entscheidet doch der Inhalt (der Fünfer für´s Phrasenschwein musste sein) und den, liebe Freunde der gemälzten Abendunterhaltung, werde ich jetzt in aller Ruhe einer Erstverköstigung unterziehen.

Sláinte!

 

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