Jameson Gold Reserve + Hoyo de Monterrey Epicure Especial

Dekadenz als neue Angemessenheit

James + HoyoIch habe mir für den Genuss der Hoyo de Monterrey Epicure Especial in Verbindung mit einem Jameson Gold Reserve, einer || Kombinationsempfehlung von Dirk Freier ||, ein paar hundert Liter Wasser in unsere neue Blubberwanne eingelassen. Dazu kredenzte ich mir eine „digitale“ Platte von Nighwish – den finnischen Schmuse-Fantasy-Metallern mit Diva-Allüren – um mich tiefenentspannt dem Genuss zu widmen. Ja, ich weiss, Nightwish macht den beinharten Metaller jetzt nicht wirklich an, aber ich liege mit einem zuckersüßen Whiskey und einer milden Zigarre in einem – mit 40° wohligen Wassers gefüllten – Whirlpool. Da kommt´s darauf nun wirklich nicht mehr an.

Aber um dennoch meine Steroide einen Kontrapunkt setzen zu lassen:  Während ich da so lag, mit dem Dickerchen (die Zigarre !!!!) zwischen meinen Fingern, fühlte ich mich schon ein wenig wie „The unknown Stuntman“ Colt Sievers.

Tastingnote – Jameson Gold Reserve

Den Jameson Gold Reserve habe ich natürlich – wie sich dies für eine „professionelle“ Vorbereitung auf ein solches Happening gehört – bereits einige Tage zuvor immer mal wieder verkostet:  Ein süßer, aromatischer und im Charakter typischer Ire. In der Nase liegt er süß und zart: Vanille, Honig, eine paar frische Kräuter, abgerundet durch geröstetes Weizenbrot. Der Sherry und seine dunklen Früchte sind nur ganz unten zu erahnen. Im Gaumen dann ein süßer, knackiger Beginn mit der ungemälzten Gerste. Ölig, zäh und dennoch zugleich frisch und grasig. Kurz schlägt für einen Moment der reichhaltige, für die Iren typische, Pot Still Charakter durch, wird dann aber sofort eingefangen durch Honig, reife und saftige Clementinen und Vanille. Hinten klopft die Eiche wirklich nur ganz höflich und zurückhaltend an. Der Abgang ist vergleichsweise lang, ein kurzer Pfeffer-Blitz, und dann verbleibt ein samtig vanilliges Mundgefühl mit einer Spur Milchschokolade. Herrlich!

Auch wenn ich im Netz immer wieder gelesen habe, wie komplex und vielschichtig der Jameson Gold Reserve sein soll: Vielleicht für einen Iren (Oh Gott: In Deckung!!!!)! Ich finde Ihn reichhaltig, voll und vor allem richtig lecker, aber definitiv „easy to drink“. Ein Whiskey für fast jede Gelegenheit und mit einer gefährlichen Süffigkeit. Auch nach 3 Drams hat man Ihn noch nicht über. Wenn´s ganz dumm läuft ist die halbe Buddel am Abend weg und der Brummschädel am nächsten Morgen da.

Kombination

Zur Kombination: „Der Jameson Gold Reserve mit seinen feinen Aromen von Pfeffer und Honig verbindet sich hier bestens mit den Heu- und Kakaonoten der Hoyo de Monterrey Epicure Especial.“ schreibt der vidamo.de-Sommelier Dirk Freier. Jameson, Pfeffer und Honig: Check! Aber was passiert in Verbindung mit der Hoyo de Monterrey?

Ehrlich gesagt, bin ich (wie immer) skeptisch, da ich die Kombination aus Whisk(e)y und Rauchen im Allgemeinen nicht als passend erlebe. Ab und an rauche ich nach ein paar Drams gern mal eine Zigarette, aber dann ist das Thema „Verkostung“ eigentlich auch durch. Alles stinkt und muffelt und überhaupt ist vom Gerstengold danach kaum noch etwas zu schmecken.

Also liege ich zweifelnd in meiner Wanne und führe das brennende Streichholz an die Zigarre, ziehe ein paar Mal, lasse den Rauch im Mund kreisen und hauche Ihn langsam aus. Heu? Kakao? Keine Ahnung, ich bin kein Zigarrengeniesser und meine Sensorik diesbezüglich wohl entsprechend verkümmert, aber die Hoyo de Monterrey ist vergleichsweise mild und weiß  durchaus zu gefallen. Jetzt aber wird´s spannend.

Mit der Erwartung eigentlich nichts mehr zu schmecken führe ich das Glas an den Mund, nehme einen kleinen Nipp und…

WAHNSINN!!

Ganz ernsthaft…Der Jameson nimmt sofort alle scharfen und unangenehm im Mundraum verbliebenen Noten auf – Zigarrenfans sehen mir diese stümperhafte Beschreibung nach – und legt seine Honigsüße, die jetzt noch viel präsenter ist, darüber. Es entsteht eine unglaubliche Melange aus Honig, Lagerfeuer, Weihnachtsgebäck, Milchschokolade, Fruchtkompott, Räucherspeck. Jetzt kann ich auch tatsächlich die Komplexität erkennen, und mit jedem Zug/Schluck-Wechsel wird dieses Spiel der Aromen vielschichtiger, interessanter….ja leckerer!

Ich habe mich zurückgelehnt, der Musik gelauscht, die Zigarre und den Whiskey genossen, meine Gedanken treiben lassen … Ich bin für eine knappe Stunde im schummrigen Licht schlichtweg versunken. Klingt ein wenig nach „Möchtegern“-Poet, aber ich kann es nicht besser beschreiben. Ein vorweihnachtliches Genuss-Erlebnis. Ich sage vielen Dank an Dirk Freier von vidamo.de für die „Erkenntnis“: Whisk(e)y und Zigarren gehen tatsächlich – zumindest im richtigen Rahmen mit Musik und Blubberwanne ;-). Ich würde einen Tabakhumpen vielleicht nicht unbedingt einem Glenfarclas Family Cask von 1957 antun, aber einen Malt unter 50 € ziehe ich sehr gerne für ein weiteres Experiment in Betracht.

Anmerkung zum Schluss

Die Entspannung hielt im Übrigen genau so lange, bis meine Frau nach Hause kam und ihrer Begeisterung ob des nach Zigarre stinkenden Badezimmers freien Lauf ließ ;-). Aber irgendwas ist ja immer!

2 Thoughts on “Jameson Gold Reserve + Hoyo de Monterrey Epicure Especial

  1. Danke für diesen wertvollen und ausführlichen Post. Mir kommt die Jameson Familie ebenfalls sehr „verdunstungsfreudig“ daher. Soll heißen: Trotz meiner prall gefüllter Whisky-Schränke, neigt sich die Ölstandskontrollanzeige meiner Jameson-Flaschen meist doch stets konsequent schneller Richtung Westen als dies bei anderen Destillaten benachbarter „Schotten“ geschieht.

    Aus meiner aktiven Zigarrenraucherzeit kann ich zu dieser Rezension beitragen, dass eine Zigarre generell die Geschmacksnerven auf der Zunge – na, ich nennen es mal – belegt und dadurch Geschmacks-Symbiosen zum Leben erweckt werden, die ohne den positiv-negativ Einfluss auf die gewohnte Geschmacks-Wahrnehmung gerne verdeckt (eigentlich: „nicht verdeckt, sondern zu offensichtilich“) dargeboten werden. Analog dazu: Eine Erdbeere entwickelt einen bislang verborgenen Charakter wenn die Zunge kurz zuvor von grünem Pfeffer getäuscht wurde.

    Obwohl ich unterstelle, dass ein Online-Shop in der heutigen stressigen Zeit nicht in der Lage ist, Symbiosen hoher Güte darzulegen, verfolge ich doch durchaus interessiert die empfohlene Seite und harre der Dinge, die da kommen…

    Zum Titel „Dekadenz als neue Angemessenheit“ kann ich nur sagen: Dekadenz bedeutet doch ursprünglich „wünschenswerter Zustand“. Seinen hart erarbeiteten Whirlpool mit einem Glas Whisky und einer Zigarre für sich einzunehmen, ist folglich ein absolut legitimer Zug.

    Dass darunter dann das Badzimmer und damit einhergehend die angetraute Mitbewohnerin leidet, sei an dieser Stelle einfach unkommentiert… 😉

    Ach ja, zur musikalischen Untermalung empfehle ich für die nächste Whirlpool-Sitzung die Stone Sour Platte „Audio Secrecy“.

  2. maltsandmetal on Dezember 8, 2013 at 10:50 said:

    Dass Dekadenz von “wünschenswertem Zustand” kommt, war mir absolut neu und durch den Vergleich mit Erdbeeren und grünem Pfeffer wird mir jetzt auch einiges klarer was Zigarren und Whisky betrifft ;-).

    Die 12/13er Doppelscheibe „House of Gold & Bones I+II“ von Stone Stour ist unfassbar gut, daher traue ich mich gerne mal daran, die Diskographie von „hinten“ aufzuzäumen. Audio Secrecy? Check!

    Insofern vielen Dank für diesen rundherum erhellenden Comment.

Schreibe einen Kommentar

Post Navigation