Blindverkostung The Macallan: 1824er Serie vs. Sherry Oak-Serie (Teil 1)

Einleitung

Macallan 1824 SeriesWas wurde nicht alles geschrieben über die die neue 1824er Serie von Macallan ohne Altersangabe. Ich selbst stehe diesem No-Age-Trend ja mehr als skeptisch gegenüber, aber wer nicht ausgiebig probiert hat, kann nicht wirklich mitreden. Also „Augen zu“, blind in das Selbst-Experiment-Labor vortasten und herausfinden, wie die neue 1824er Serie von Macallan ohne Altersangaben abschneidet – im direkten Vergleich mit der entsprechenden Abfüllung mit Altersangabe aus der „alten“ Sherry-Oak Serie.

Aber vorab: Eigentlich sollten die folgenden Zeilen in Form hübsch bewegter Bilder über Youtube flimmern. Ich hatte schon vor einigen Wochen den Entschluss gefasst, diesen Selbstversuch mit meiner Kamera filmbiographisch zu verewigen.

Also: Kamera gekauft, Software installiert, Morzgedöns gemacht beim Filmen, tagelang zusammengeschnitten, fast schon fertig zum Hochladen….und dann hat mir letzte Woche jemand auf einem Businesstrip meinen Koffer samt Laptop und Kamera gestohlen. Abgesehen von dem riesigen Verlust für die Cineastik dieser Welt hat das natürlich noch einige andere unangenehme Folgen für mich, da selbst bei bester Datensicherung so was immer nervt ohne Ende.

Jung, auch wenn die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering ist, dass Du das hier liest (falls Du überhaupt lesen kannst), aber ich sag Dir eins: taucht irgendwo im Netz meine Kamera, mein Laptop oder eine meiner Unterbuchsen auf…keine Polizei, keine Anzeige: Das klären wir auf die gute, alte handgemachte Art und Weise!

Ausgangssituation

Zurück zum Anfang der Geschichte, diese Jungs treten in meinem ersten Teil gegeneinander an:  Gold und Amber vs. 10 und 12 Jahre SO. Ring frei!

Ich hatte die Samples mit weißem Papier umwickelt, meine Frau gebeten diese zu vermischen und anschließend die Nummern 1-4 darauf zu notieren. Auf notarielle Beurkundung habe ich allerdings verzichtet ;-).

Erst einmal wurde von 1-4 die Nase aufgenommen, auch um die anschließende Verkostungsreihenfolge zu bestimmen. Da es am Ende des Tages aber alles TheMacallan sind und auch alle die typischen Aromen eines TheMacallan enthalten, möchte ich im Folgenden nicht bei allen Vieren die x-te Zitrus-, Sherry-, Vanille-, Zimtnote erwähnen,  sondern mich auf die Unterschiede konzentrieren.

Zusammenfassung „Nase“

Probe 1: Was ein Start. Der hat wirklich alles was ein Macallan braucht: Sherry, Honig, Malz, Toffee, Zimt, ein paar Spritzer Zitrone und Orange, viel dunkle Früchte und hinten raus eine schön deutliche Eichennote. Toll!

Probe 2: Deutlich schwächere Nase bei grundsätzlich recht ähnlichem Grundcharakter.

Probe 3: Kaum ein Unterschied zu Probe 2. Eine Nuance weniger „jugendlich“.

Probe 4: Wahnsinn. Hat Probe 1 sogar überholt, da noch stärkere Aromenfülle. Vor allem zusätzliche Aromen im Fassbereich, z.B. dunkle Schokolade. Fast schon eine Spur Rauch – natürlich keinen Islay-Torfbombenrauch, sondern an der Grenze zur Würzigkeit.

Damit war die Reihenfolge zum Probieren klar: 2, dann 3, dann 1 und zum Schluss die 4. Ab zum Gaumen.

Zusammenfassung „Gaumen“

Probe 2: Etwas kräftiger als ich nach der Nase erwartet habe. Typischer Macallan, wenn auch etwas schwach auf der Brust und mit einem gefühlt metallischen Hauch, der für Jugend spricht.

Probe 3: Auch im Mund kaum ein Unterschied zu Probe 2 und auch im Gaumen eine Nuance weniger „jugendlich“. Vielleicht ein klitzekleiner Hauch mehr Sherry.

Probe 1: Yes! So geht`s. Getrocknete Früchte, saure Sprenkel von Äpfeln und Orangen getragen von einer weichen Süße aus Honig und Karamell. Zum Abschluss noch eine Portion Eichenwürze.  Das ist der klassische Macallan. Aus!

Probe 4: Unfassbar, aber der setzt noch Einen drauf. Wie bei Probe 1 nur alles noch eine Spur kräftiger, dennoch gleichzeitig weiterhin perfekt ausbalanciert. Geschmeidig, lang und samtig und mit einer tollen dunkel schokoladenen Note beim Abgang. Sensationell gut!

Zusammengefasst hier nun mein persönliches Blind-Verkostungs-Ranking:

Ganz klar auf Platz 4 –> Probe 2

Mit einem hauchdünnen „etwas mehr von allem“ Vorsprung auf Platz 3 –> Probe 3

Ein „richtiger“ Macallan auf Platz 2 –> Probe 1

Unfassbar gut für die untere Hälfte Platz 1 –> Probe 4

 

Ergebnis

So, jetzt aber ran und die Papierchen abgezogen. Tusch und „Quiet, please!“

Auf Platz 4….der Gold.

Puh. Nicht wirklich überraschend, aber meine Erleichterung war schon groß, dass ich mich an dieser Stelle jetzt nicht mit dem 12 jährigen SO blamiert habe (im Video wäre diese Erleichterung deutlicher zu sehen gewesen). Aber weiter…

Auf Platz 3…der 10 Jährige SO.

Soweit so gut. Meine Skepsis scheint sich zu bestätigen: SO vor 1824er. Aber jetzt zählt´s. Also Trommelwirbelllll….Ladies and Gentlemen, ich entferne das Papier…

Auf  Platz 2…..Werbung!…;-).

Spaß!

Auf Platz 2….der 12 jährige SO!

Und damit auf Platz 1 der Amber !!!!

Leute, ich bin fix und fertig, denn das hätte ich im Leben nicht erwartet. Ich backe jetzt erst mal deutlich kleinere Brötchen und erkenne ohne weiteres Murren an, dass Bob Dalgarno definitiv weiß, was er da tut. Er hat mit dem Amber einen Malt kreiert, der in diesem Preissegment unfassbar überzeugend ist und mit dem es keinen besseren Einstiegsmalt geben kann. Ok, den Gold verbuchen wir unter: “Mit irgendetwas müssen wir ja auch Geld verdienen“.

Respekt!

Ich bin jetzt gespannt auf meine zweite Runde, 15 Jahre und 18 Jahre SO vs. Sienna und Ruby. Aber das gibt’s dann definitiv per Video.

One Thought on “Blindverkostung The Macallan: 1824er Serie vs. Sherry Oak-Serie (Teil 1)

  1. Oh Mann, die Sache mit dem Kofferdiebstahl ist ja ärgerlich!!! Hoffentlich kommt die Versicherung wenigstens für den finanziellen Schaden auf. Aber auf die zweite Runde deines Blind-Tasting freue ich mich schon. LG Margaretemarie

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