Warum die Highlands direkt hinter Winnweiler enden oder Elwedritsche auf Nessie trifft

Bischoff_MaltIch war und bin kein Freund deutscher Whiskys, zumindest bisher. Ich mache daraus eigentlich auch selten einen Hehl und verteile auch gerne in dem einen oder anderen Halbsatz einen kleinen Ellbogencheck in Richtung der deutschen „Gerstenobstler“, samt Ihren konstruierten Marketing-Geschichten: „Nein, nein, eigentlich wollten wir schon immer Whisky machen und außerdem war ich in meinem vorherigen Leben ja quasi Schotte, wenn nicht sogar Single Malt ;-).“

Desto erstaunter war ich, als mir über Umwege ein kleines Sample eines deutschen Gerstensaftes überreicht wurde. Prima Gelegenheit um entweder meine eigene Meinung ein kleines Stückchen zu revidieren oder mal so richtig schön vom Leder zu lassen.

Es handelt sich um ein Destillat von der Privatbrauerei Bischoff aus der nördlichen Pfalz, genauer gesagt dem Örtchen Winnweiler. Und da fängt mein Dilemma an: Aus musikalischer Vergangenheit bin ich dem Unternehmen persönlich verbunden, denn Sie waren einst Hauptsponsor meiner damaligen Band Chairwalk. Und zwar lange bevor wir Hallen gefüllt haben und dadurch selbst in der Lage waren unseren „Kram“ zu finanzieren. Sie haben sogar seinerzeit eine kleine limitierte Charge „Feierabendbiersche“ aufgelegt, als wir im Rahmen unserer 2004er „Feierabendbiersche“-Tour unterwegs waren.

Daher sei gesagt, ich werde sicher ein wenig Milde walten lassen. Allerdings nicht bei der Beurteilung des Tropfens an sich – an den gehe ich mit der gewohnten Skepsis gegenüber deutschen Destillaten heran. Punkt!

Für den Brand selbst zeichnet der Brenner Bernhard Hönig verantwortlich, der im Übrigen auch mit der Nordpfalz Brennerei allerlei Brände herstellt und mir auch freundlicherweise telefonisch einige Infos zu dem Tropfen gab. Es handelt sich um einen Bockbierbrand, für den, wie der Name schon sagt, ein Bockbier aus dem Hause Bischoff destilliert wurde. Daher ist hier auch ein wenig Zurückhaltung bei der Bezeichnung angebracht, da das Bockbier einen Hopfenanteil bis zu 20% hat.

So wurde das Destillat 2006 und 2007 zur Reifung in zwei amerikanische Ex-Bourbon Fässer – medium toasted – gefüllt. Mein Sample stammt aus dem 2006er Fass, welches bereits 2011 abgefüllt wurde. Die Abfüllung des 2007er Fasses steht wohl noch aus.

Aber das Geheimnis liegt laut Hönig eben nicht nur im Fass und im Destillationsprozess, sondern eben auch in der Maische, also dem verwendeten Bockbier. Und das klingt für mich richtig plausibel und nicht nach dem üblichen Marketing-„BlaBla“. Denn: Die normalerweise bei der Whiskyproduktion verwendete  Gärbrühe „wash“ hat einen Alkoholgehalt von sechs bis zehn Prozent und ist mit einem starken Bier ja durchaus vergleichbar – allerdings ohne Hopfenanteil. Da das Bockbier, und das kann ich schon mal aus eigener Erfahrung sagen, aus dem Hause Bischoff richtig „gut läuft“, ist die Basis schon mal nicht die Schlechteste.

Aber damit genug der Vorschusslorbeeren: Morgen geht´s ans Verkosten und dann schau mer mal, ob die Damen und Herren aus der Nordpfalz neben gutem Bier, auch guten Whisky machen können.

 

Sláinte oder doch besser Prost?

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