Von Jacky-Cola zu Lagavulin DE, von David Hasselhoff zu Soilwork – Teil I

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Eine Reise von tausend Meilen beginnt unter deinem Fuß.“ Unter meinem Fuß befand sich ganz am Anfang meiner Reise zu den schottischen Single Malts Jacky-Cola. In meiner Jugend ging eine Party ohne eigentlich gar nicht.

Reichlich 15 Jahre ist es wohl her: Wir hatten mit unserer damaligen Band Chairwalk gerade die ersten Hallen gefüllt und uns einen Status erarbeitet, der es uns erlaubt hat, neben ein paar Pizzen, Wasser, Cola und Bier auch einfach mal frech zwei Flaschen Jack auf die Catering-Liste zu setzen. Catering-Listen – zur Info – geben dem Veranstalter zu verstehen, was im Backstageraum gefälligst zur Verpflegung der Künstler und der Crew zur Verfügung zu stehen hat…“Und wehe dat Zeuch ist nicht kalt….dann macht Ihr Euren Bumms hier grad allein!“.

Bevor das jetzt in eine falsche Richtung geht: heute sind wir mit Promince schon froh, wenn wir ein dreckiges Glas gestellt bekommen, mit dem wir uns dann auf´m Klo Wasser aus dem Hahn zapfen können, damit wir auf der Bühne nicht dehydrierender Weise das zeitliche Segnen ;-). Andere Musik, andere Zeiten.

Zurück in die späten Neunziger: Was haben wir jedes Mal ein Ritual veranstaltet, wenn die erste Flasche Jack vor dem Gig geöffnet wurde. Der ganze Backstageraum wurde zu absoluter Stille verdonnert („Jetzt halt mal den Rand, verdammt!“), mit großer Geste wurde das erste Glas bereitgehalten und dann….“Gluck, gluck, gluck“ der erste Schluck floss mit diesem legendären Geräusch aus der Pulle, gefolgt von einem befriedigten „Aaaahhhh…“ unisono aus den Kehlen nickender Musiker und Crewmembers. Der Abend konnte beginnen.

Nach ein paar Liter vergossenen Schweißes, einigen musikalische Zugaben, einer Handvoll selbstverständlich völlig harmloser Flirts (Achtung: Sarkasmus-Alarm) mit weiblichen Fans nach dem Konzert und der obligatorischen Aftershow-Party lagen wir dann alle Mann besoffen im Bandbus und wurden von unserem Chef-Roadie Gunther, die gute Seele, mit 180km/h („legt Euch pennen, ich mach das schon“) gen Heimat geflogen.

Um meiner melancholisch nostalgischen Ader Genüge zu tun, hier mal ein paar Bilderchen aus den „good old times“…

War eine geile, ob des Fahrstils von Gunther durchaus auch gefährliche Zeit, aber mit Whisky-Genuss hatte das ungefähr so viel zu tun, wie Mitesser zu entfernen mit Erotik.

Irgendwann haben wir dann im Freundeskreis mit Johnny Walker experimentiert. Eigentlich nur, weil wir ab und an im Vollrausch das gleichnamige Lied von Marius Müller-Westernhagen gegröllt haben – gefolgt von „Taxi-Mann“….ich schwelge in Erinnerungen ;-). Relativ schnell waren wir uns damals einig, dass dieser „Scotch-Kram“ ja eine fürchterliche Plörre ist und das Bourbon, bzw. eben Tennessee Whiskey das einzig Wahre sei…Wir armen Irren!

So sehr wir da auf dem Irrweg waren, so lange haben wir daran unbeirrt festgehalten und die nächsten Jahre hat sich daran auch erst einmal nichts geändert. Bis mir einer meiner besten Freunde auf einmal mit einem Chivas Regal um die Ecke kam und hey…was war das? Dieser umwerfende sahnige, cremige Geschmack nach Honig, diese Aromenvielfalt mit sanften Nüssen und nie geahnter Würzigkeit im Abgang und das Beste: Er hat überhaupt nicht gebrannt! Keine Cola mehr nötig, bestenfalls mal den ein oder anderen Eiswürfel!!!

Und auch das war es dann erst einmal wieder für einige Zeit. Auf der Party Jacky-Cola und Zuhause für die ruhigen und besonderen Momente ein Chivas auf Eis. Warum hätte ich auch weiter forschen sollen, mit diesem Zweigespann war ich ja quasi gefühlt im siebten Himmel. Scotch und Tennessee Whiskey waren schon mal auf Augenhöhe, von Single Malts, Blends und Sonstigem hatte ich noch nie etwas gehört.

Und dann kam der Durchbruch: Ich weiß nicht mehr genau wer dafür gesorgt hat, ich glaube es war der Barkeeper eines Irish Pubs, aber ich weiß noch sehr genau was dafür gesorgt hat: Ein Macallan 12 Jahre Single Malt Whisky. Flüssiges, reinstes Gold. Ein Saft, den nur Odin persönlich gebraut haben konnte und uns niederen Geschöpfen großmütig als Geschenk überreicht hat!

Aber dieser Göttertrunk entpuppte sich in der Folge als Teufelszeug, da er ja quasi ein Tor zu einem Kosmos aufgestoßen hat, der zwar völlig faszinierend, aber auch gleichzeitig riesig und verwirrend war. Single Malt? 12 Jahre? Wo liegt der denn die ganze Zeit rum? Was ist da der Unterschied? Fassreifung? Destillieren ? Schottisch, irisch, amerikanisch? Gerste, Roggen…?

Da zeitgleich auch im Freundeskreis die Neugier immer stärker wurde, haben wir dann angefangen zum Teil völlig unkoordiniert zu experimentieren. Es folgten ein paar Klassiker, Glenmorangie, Glenfiddich, der obligatorische Schockzustand nach der ersten Islay Torfbombe…Bowmore, Laphroig. Und seit 2 oder 3 Jahren hat das Ganze richtig Fahrt aufgenommen und wir haben angefangen kleinere private Tastings mit übergeordneten Themen zu koordinieren, Theorie aufzusaugen, News zu verschlingen und so weiter und so weiter.

Und weil meine letzte Neuanschaffung gerade ein Lagavulin Distillers Edition ist, war das meine persönliche „Road from Jack to Lagavulin“. Diese Road hatte sicher noch keine tausend Meilen – wie das chinesische Sprichwort besagt – aber ich stehe bei Meilenstein 250 und freue mich auf den Rest. Morgen geht´s weiter mit der „Road from Hasselhoff to Soilwork“.
Sláinte!

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