Hamburg zwischen Johnnie Walker Odyssey und „Underground-Runden“

So weckt mich die hamburger Morgensonne in meinem Projektappartement

So weckt mich die hamburger Morgensonne in meinem Projektappartement

Was ist Hamburg für eine tolle Stadt. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so viele Spaziergänge und Fahrradausflüge gemacht, wie in den letzten Wochen. Aber die Stadt ist auch voller Gegensätze – gerade im Bereich der gemälzten Abendunterhaltung. Vom teuersten Fasswasser in Schickimicki-Ambiente bis zum Underground-Whisky-Stammtisch im kauzigen Kultbistro.

Ich habe erst die Tage durch einen Post auf Whisky.de vom Johnnie Walker Odyssey, nebst zugehörigem  Marketing-Bohai erfahren (nicht, dass ich dieses Versäumnis großartig bedauern würde). Die Marketingstrategen von Diageo, unserer allerseits geliebten Sprit-Weltkonzern-Krake, haben sich gefragt, ob es nicht auch im Premiumbereich und Luxussegment noch den ein oder anderen Euro bei spendierfreudigen „Whiskyliebhabern“ gibt, den Sie noch nicht zielgruppenadressiert abgezogen haben. Die Antwort lautete wohl: „Doch, den gibt´s und zwar gleich ein paar davon“.

Also aus drei schottischen Destillerien ein Wässerchen geblendet, in einen aufwändig gestalteten Glasdekanter nebst superschnieker Holzkiste außen rum abgefüllt und schnell den Begriff „Triple Malt Whisky“ als non-plus-ultra Qualitätsbegriff etabliert –  fertig war der Johnnie Walker Odissey zu einem Preis von über 700 (!!!). Nein, nicht eine 6er Kiste: die Flasche.

Man war sich wohl ob der Tatsache nicht ganz so sicher, „Whiskyliebhaber“ seien tatsächlich so blö…ähem…entschuldigung, so extravagant für einen Blend ohne Altersangabe ein veritablen Teil des monatlich verfügbaren Einkommens aus dem Fenster zu schm…ähem…entschuldigung für den hohen Whiskygenuss zu investieren. Lieber richtig dick auffahren. Viel bring viel.

Daher wurden ein paar Fläschchen auf einen luxuriösen Dreimaster im Stil der 1920er Jahre gepackt – kein Problem, denn die spezielle Halterung in der Verpackung gleicht durch eine Konstruktion von höchster Ingenieurskunst etwaige Wellenbewegungen aus. Seit September letzten Jahres folgt der Segler nun den alten Handelsrouten, segelt dabei rund um die Welt, legt von Zeit zu Zeit an und gibt unter medienträchtigster Inszenierung Talkrunden und exklusiven Tastings Platz – mit allerlei Prominenz und sogenannten Game-Changern der Whiskywelt.

Zurück zu Hamburg und meinen Spaziergängen. Vom 24. bis 26. Juli war das Schiffchen tatsächlich hier vor Anker und es wurde gefeiert und sich selbst beweihräuchert, dass es wohl eine wahre Pracht gewesen sein muss. Als Game – Changer wurde der ehemalige Fußballnationalspieler Christoph Metzelder an Board begrüßt. Bei aller Sympathie für den Menschen und allem Respekt für seine Leistung als Fußballspieler: Wenn Christoph Metzelder zukünftig die „rules“ und das „game“ der Whiskywelt „changed“, dann ist das eine Welt, in der Insekten und Würmer endlich wieder schmecken, eine Welt, in der ich aus einer Toilette trinken kann ohne Ausschlag zu bekommen. ;-). Oder eben eine Welt in der ein Blend ohne Altersangabe 700 Euro kostet….*Denkpause*…Verdammt! Vielleicht nehme ich echt gleich mal ein Schluck aus der Herrentoilette im Büro und schau was passiert.

Beim Lesen des Artikel jedenfalls dämmerte es mir plötzlich und tatsächlich. Ich war an diesem Tag in der Speicherstadt spazieren und mir ist der Segler aufgefallen – auch weil eine Johnnie Walker Flagge das Heck zierte.

Relativ unspektakulär - Die Voyager!

Relativ unspektakulär – Die Voyager!

Und weil ich mir davon aber nun nichts kaufen kann, schon gar keinen Odyssey, nun zum krassen Gegensatz: zu der Montagsrunde im Bistro Roth (nicht dass Hamburg als Schischi-Mekka für völlig überteuerte Marketingwhiskys in Erinnerung bleibt). Absolut nette Whiskynerds treffen sich dort seit über zehn Jahren und verkosten Whisky. Man hat mir als Pfälzer dort vorrübergehend Asyl gewährt und letzten Montag war meine dritte Runde. Es macht echt richtig Spaß mit den Jungs abzuhängen und sich über edelste Tropfen herzumachen. Aber Stimmungen und zwischenmenschliche Begegnungen sind zu vieldimensional um diese widerzugeben, daher hier mal ein paar Bilder der gemälzten Highlights der letzten Wochen:

Allesamt deutlich unter 700 EUR und damit sei auch eindeutig dokumentiert: In Hamburg gibt´s jede Menge richtig guten Whisky, den man in netter Gesellschaft verkosten kann – so oder so, je nach Gusto!

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