„Good Morning Glasgow“ und „Preußens Glanz & Sachsens Gloria“

Schottische Single Malts immer weiter auf Vormarsch! Uiii….jetzt postuliere ich hier auf maltsandmetal.de aber mal ganz gewagte Thesen, geradezu globuserschütternd sozusagen. Spaß beiseite: An was denkt man als Nichteingeweihter, wenn man von deutschen Cocktailmeisterschaften hört? Richtig, schicke Champagner-Cocktails und viel Schischi um Vodka, Gin und ähnlich geschmacklose Wunddesinfektionswässerchen.

Umso überraschter war ich, als ich von der diesjährigen deutschen Cocktailmeisterschaft gelesen habe, die vor einigen Tagen in der beschaulichen Schwabenmetropole Stuttgart stattgefunden hat. Eins vorab: Jedwede Spitze bezüglich der innerpolitischen Brisanz ob der Tatsache, dass dort ausgerechnet ein Berliner abgeräumt hat, werde ich tunlichst vermeiden ;-). Wir wissen ja schließlich alle um die derzeit eher  angespannten „diplomatischen Beziehungen“ zwischen Berlin und Stuttgart.

Im – vielleicht etwas ländlichen, vielleicht etwas verschlafenen, vielleicht auch etwas piefigen, dafür aber vor allem nicht bis unter die Dachpfetten verschuldeten – Stuttgart, schaffte es Michael Prescher aus – dem vielleicht sehr weltstädtischen, vielleicht sehr hippen, und vielleicht auch sehr innovationsanziehenden, aber vor allem beständig auf Kosten der anderen lebenden – Berlin auf Platz 1 in der Kategorie „Open“ und trägt damit den Titel „Deutscher Cocktailmeister“. (Spitzen? Hier gibt es keine Spitzen, höchstens ganze Schaufelbaggerladungen – aber die dafür gratis ;-)).

Seinen Siegerdrink „Good Morning Glasgow“ mixt Michael aus dem Lowlander Auchentoshan, Holunderblütenlikör, Lavendelsirup, zwei Bitter-Sorten, Sherry und Orangenzesten. Witziger Weise präsentierte er der Jury seinen „Good Morning Glasgow“ in einem Emaille-Becher, angerichtet auf schottischem Karodeckchen mit Frühstücksei und Zeitung. Coole Idee… Ich frage mich an der Stelle, ob er nicht statt Auchentoshan + Sherry einfach hätte gleich den Auchentoshan Three Wood  beigeben können? Aber wer bin ich, einen deutschen Meister zu hinterfragen – noch dazu einen Berliner.

Wer jetzt glaubt, dass das nur eine Ausnahme gewesen wäre, weil man ja den Auchentoshan eh nicht rausschmeckt (böse Anspielung auf kaum vorhandenen Körper der Lowlander), der irrt. Auf Platz 2 nur knapp geschlagen, landete nämlich Lysann Gutenmorgen mit Ihrem Mix aus dem Speysider Aberlour, sowie Holunderblütenlikör, Mangosirup, Limettensaft und Mangonektar. Sie reichte der Jury dazu kleine Frischkäse-Canapées als Zugabe zum Drink und nannte das  Ganze „Preußens Glanz & Sachsens Gloria“.

Also wenn Ihr mich fragt: Dass es nicht für Platz 1 gereicht hat, kann zumindest NICHT an der Whiskyauswahl gelegen haben ;-).

In der Kategorie „open“ geht es im Übrigen um die Herstellung völlig neuartiger Kreationen und hat wenig mit dem spektakulären Herumwirbeln mit Flaschen und Shakern zu tun – dem Flairtending. Und da das aber wesentlich spektakulärer Anzuschauen ist und verkosten via Internet eher unmöglich gibt´s hier jetzt statt einem Schluck „Good Morning Glasgow“ ein Video zum Flairtending – allerdings nicht ganz aktuell, sondern von einer Performance von 2011:

Schreibe einen Kommentar

Post Navigation