Finest Spirits München 2014: Highlights, Kuriositäten und Nerviges!

Finest-SpiritsWieder einmal hat das MVG – Museum – ein Fabrikgebäude in dem zunächst ein Kriegsmetallwerk untergebracht war und später eine Trambahn-Hauptwerkstätte – die Toren geöffnet für das Münchner Whisky- und Barfestival. Daher: Zeit für einen Nachruf auf die Finest Spirits 2014. Wie immer bei diesen Gelegenheiten möchte ich nicht mit Zahlen, Daten und Fakten, Fotoserien und ellenlangen Hintergrundinformationen zu Ausstellern oder ausgestellten Sortimenten glänzen. Ich beschränke mich wie immer auf einen ganz persönlichen kurzen Abriss zu den Highlights, Kuriositäten und dem Nervigen. Zugegeben: für den Rest bin ich auch zu faul und das Meiste darf und kann man selbst recherchieren, wenn man nicht eh selbst vor Ort war. ;-).

Die Highlights

Es hat viel Gutes, wenn auf einer Messe nicht nur Whisk(e)y, sondern allerlei Beiwerk ausgestellt wird. Warum? Weil der eigene nicht ganz so whiskynerdige Ehepartner nicht nach 3 Stunden zum gereizten Nervenbündel mutiert ;-). Von Cocktails, über Liköre bis hin zu Delikatessen wie Trüffelöl und Käse war vieles auf der Finest Spirits am Start. Und so ergibt das einen sehr entspannten Trip im 2:1 Rhythmus – 2 x Whiskystand : 1 x Cocktailstand, 2 x Whiskystand : 1 x Tölzer Kasladen, 2 x Whiskystand und so weiter. Somit zeigt sich mir die Finest Spirits als eine entspannte, den Ehefrieden schonende Whiskymesse und mein Highlight Nr.1 somit: Die Vielfalt ergänzend zur gemälzten Abendunterhaltung!

Highlight Nr. 2: Die Location itself. Das MVG – Museum hat ein angenehmes Flair. Eben ein altes Fabrikgebäude und die ausgestellten alten Trambahnen darin tun ihr Übriges für das Ambiente. Aber das für mich Entscheidende ist vor allem die Weitläufigkeit der Halle. Auch wenn es in den Stoßzeiten richtig voll wird, findet man immer noch irgendwo ein Plätzchen abseits des Gedrängels um mal in „Ruhe und Besinnlichkeit“ ein, zwei Nasen zu nehmen.

Ja und was war nun das Highlight auf Fasswasser-Seite? Ein 36 jähriger Glenglassaugh, ein Macallan aus den Sechzigern? Klar, ich hatte ein paar umwerfende Drams in diesen Sphären, ein paar himmlische Grain-Whiskies waren im Übrigen auch dabei – ich werde immer mehr Fan. Ein Port Dundas, 35 Jahre, 1978/2013, aus der Director´s Cut Serie von Douglas Laing. Port Dundas_35 J_ Single GrainEin Träumchen!

Aber mal ehrlich: Von solchen Tropfen darf man auch ein „Erlebnis“ erwarten. Und was erwartet man beispielsweise von einem taiwanesischen Whisky ohne Altersangabe? Eben, nicht viel und daher würde ich Ihn außerhalb eines solchen Happenings auch nicht bestellen.

Und ein solcher Taiwanese ist der KAVALAN Solist, Einzelfassabfüllung aus dem Sherry-Cask in Fassstärke. Laut Aussage der Dame am Stand irgendwo zwischen 5-6 Jahren. Meine Nase und mein Gaumen haben mich jedoch sofort in die 12 – 21 jährige Glendronach-Ecke geführt, allerdings durchaus mit einem eigenen Charakter. Ein unerwartetes Träumchen: Kavalan Solist_Single Sherry CaskGroß, komplex, wuchtig, aber dennoch hervorragend ausbalanciert. Jetzt im Nachgang habe ich mittlerweile ergoogelt, dass KAVALAN bereits seit einigen Jahren mit tollen Abfüllungen glänzt und weltweit Aufmerksamkeit erhält. Das heiße und subtropische Wetter beschleunigt den Reifeprozess maßgeblich.

Für mich war das eine neue Erfahrung und Sie kam ähnlich unerwartet wie meine erste Amrut-Erfahrung auf der Whisky Fair 2013, daher mein persönliches Fasswasser-Highlight: KAVALAN Solist, Single Cask aus dem Sherry-Cask in Faßstärke.

 

Die Kuriosität

Die Kuriosität der diesjährigen Finest Spirits wurde mir – wie sollte es anders sein – am Stand von slowdrink.de mit Leidenschaft angetragen. Einen deutschen – genauer „ost-deutschen“ – Whisky, der mich beeindruckt hat. Ich würde nicht soweit gehen zu sagen, er hätte mich begeistert, sonst wäre er wohl in den Highlights gelandet, aber beeindruckt ja. Und das vor allem wegen seiner nebulösen, mythischen und wirren Geschichte, die man im Übrigen auch ||hier|| vollständig nachlesen kann.

Hier ein kleiner Auszug:

Whisky of GDR[…] Very Old German Whisky – wahrscheinlich ist er einer der am längsten gereiften Whiskys aus Deutschland. Er wurde in einer einzigen Destille in der DDR produziert und zwar spätestens 1989, aber sehr sehr wahrscheinlich im Jahre 1986. Damit ist diese absolute Rarität mindestens 24, wahrscheinlich 27 Jahre alt.

Ursprünglich en gros produziert, wurden die aus Roggen gebrannten Destillate in medium-toasted Limousin-Eichenfässern gelagert, während der Gerstenmalzanteil sich in wiederbefüllten Sherry butts breit machen durfte. Nach der Mindestlagerzeit von drei Jahren wurden die Chargen miteinander verschnitten und verkauft. Nur in unserem besonderen Fall blieb ein wenig Whisky über bzw. wurde wohl vergessen. Er befand sich in einem ungewöhnlich kleinen Fass (ca. 100l in der Größe ) und konnte so bis ins Jahr 2013 vor sich hin reifen, bevor es entdeckt und im Rahmen einer absolut exklusiven Clubabfüllung auf 85 Flaschen, selbstverständlich in Fassstärke mit 59,8% vol., verteilt wurde. […].

Das Ganze hat sich natürlich am Stand aus berufenem Munde und mit dem Dram in der Hand noch viel phantastischer angehört ;-). Tastingnotes? Ja gut…verrückt!

Nerviges

1) Die Warteschlangen!

Zugegeben, auf fast jeder Messe als kaum vermeidbares Übel vorhanden, und somit kein Exklusivphänomen der Finest Spirits. Aber irgendwie hatte man doch das Gefühl, hier waren es mehr als unbedingt nötig. Platz war eigentlich überall genug vorhanden, manches wirkte schlicht suboptimal organisiert. Im Eingangsbereich gab es zwei Kassen für Ticketverkäufe und zwei Eingänge für Besucher mit Tickets. Allerdings alles mehr oder weniger in einem Tresen verwurschtelt sorgte das für Verwirrung und Warteschlangen. Danach Warten an der Garderobe, an der Toilette, an der Essensausgabe…Stets ein ähnliches Schema: Viel Platz, aber verbesserungswürdige Prozesse, Laufwege und Gesamtorganisation. Würde ich überall Details aufzählen und Verbesserungsvorschläge bringen, wären zwei bis drei Seiten voll. Also beschränke ich mich aufs Nörgeln auf hohem Niveau ;-).

2) „Eingedieselte“ Besucher, ein Aufruf zur Mäßigung aus aktuellem Anlass!

Liebe Freunde der gepflegten Körperbeduftung, die Ihr aus meiner Sicht verhältnismäßig zahlenmäßig auf der Finest Spirit anzutreffen wart,

Manchem ihrer Mitbesucher soll es bei einem Besuch einer solchen Messe um den Genuss erlesener Tropfen gehen. Dazu gehört ein ausgiebiges Verriechen der Destillate, denn das menschliche Riechorgan ist in der Lage hundertmal mehr Eindrücke und Aromen zu erfassen als unsere Geschmacksnerven. Ein guter Tropfen liegt mitunter 20, 30 oder auch 40 Jahre im Fass um dann für einen kurzen Moment den geneigten Genießer zu faszinieren. Viele von uns haben nur auf solchen Ereignissen wie der Finest Spirits die Gelegenheit solche Raritäten ins Glas zu bekommen.

Verleiden Sie uns doch bitte diesen kurzen Moment der Freude nicht durch unverhältnismäßigen Konsum von Parfums, Eau de Toilets und sonstigen Duftwässerchen auf einer solchen Veranstaltung.  Vor allem weil es für die Mehrzahl der Besucher denen es eben um diesen Genuss geht – und weniger um Sehen und Gesehen werden – schlicht ärgerlich ist, wenn Sie anstatt einer olfaktorischen Reise durch einen edlen Glenfarclas, zwanzig Minuten an der frischen Luft verbringen müssen um den „verklebten“ Geruchssinn von dem versehentlich inhalierten Schwall Chanel No.5 Eau de Parfum zu befreien der gerade literweise auf der Toilette frisch nachgelegt wurde.

Die restlichen 364 Tage gerne „Feuer frei“, aber an einem einzigen Tag im Jahr sollte es doch wirklich nicht darum gehen, aller Welt zu zeigen, welch tolles Duftwässerchen man aufgetragen hat. Vielen, vielen lieben Dank im Voraus für 2015!

FAZIT: Alles in allem macht die Finest Spirits zu München jedoch richtig Spaß. Weiter so!

 

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