Diageo kommt in China ins Stocken

Diageo_logoEs ist mal wieder an der Zeit ein paar Worte über die Spritweltkrake Diageo zu verlieren. Insbesondere, da die jüngsten Angaben zu Umsatzentwicklungen und Verkaufszahlen bei genauerem Hinsehen durchaus ein klein wenig Anlass zur Schadenfreude geben. Die Umsätze in Westeuropa und vor allem China sind rückläufig, man verweist auf den negativen Einfluss politischer Entwicklungen im Reich der Mitte. Und damit wären Ivan Menez und Kollegen nicht die ersten, die mit wehenden Fahnen in die sogenannten „emerging markets“ gestürmt sind, um dann mit eingekniffenem Schwanz und blutiger Nase auf allen Vieren zurück zu kommen.

Zugegeben, soweit ist es sicher noch nicht. Alles in allem konnte Diageo immer noch einen Umsatzwachstum von 3% im dritten Quartal über alle Branchen und Regionen verzeichnen. Aber dieses Wachstum ist doch sehr ungleich verteilt. So stiegen die Umsätze insbesondere in Nord – und Südamerika zwischen 5 – 10 %, während in Europa die Umsätze gar um 1% zurückgingen. Und im Emerging Market Asien waren es eben gerade einmal magere 0,6 % Wachstum.

Nach Aussagen von Ivan Menez, der gerade kürzlich den langjährigen CEO Paul Walsh beerbt hatte (hier der Bericht mit dem Schwerpunkt auf den üppigen Abfindungen),  führten wohl gerade die Regierungspolitik in China zu einem substantiellen Fall der Nettoumsätze. Wenn man sich das Wachstum in den anderen Ländern Asiens anschaut, kann man sich ungefähr vorstellen, wie sehr es da knirschen muss im chinesischen Gebälk, wenn man in der gesamten Region gerade mal auf 0.6 Prozentpunkte kommt. ||Hier|| geht´s zum Artikel.

Ehrlich gesagt: ein kleines schelmisches Lächeln kann ich mir beim Lächeln dieser Zeilen nicht verkneifen.

Zum einen weil sich wohl endlich rächt, dass man hier in Westeuropa das Angebot so sehr künstlich verknappt, während der feine Stoff in Asien noch in jeder schimmeligen Kaschemme rumgammelt – zumindest wenn man Reiseberichten in einschlägigen Foren Glauben schenken darf. Als Beispiel sei hier der Talisker 18 und 25 Jahre genannt, den man hierzulande eigentlich fast nicht mehr bezahlen kann bzw. möchte. Und eine Non-Age-Plörre für über 40 EUR ist bei aller Marketinganstrengung eben keine dauerhafte Alternative ;-).

Zum anderen wird wohl ein weiteres Unternehmen seine all zu hoch geflogenen Fernost-Pläne zumindest teilweise revidieren. Als jüngstes Beispiel sei hier im Übrigen noch die Metro-Tochter Media-Saturn erwähnt, die erst Anfang des Jahres nach einem gescheiterten China-Abenteuer wieder ganz offiziell auf den europäischen Markt baut.

Ein Jahrzehnt voller gescheiterter Expansionspläne,  gefallener Joint-Ventures und enttäuschter Erwartungen – Strafzölle und Importbarrieren, Plagiate und Fälschungen, Korruption und allerlei sonstige Behördenschikane beim Versuch in den Markt vorzudringen – aber unsere westlichen Unternehmen lernen es nicht: Die chinesische Wirtschaft ist und bleibt auf Dauer staatlich kontrolliert und gelenkt. Sie gehorcht einzig allein staatlichen Interessen. Wenn Du auf diesem Markt fußfassen und etwas verkaufen möchtest, dann zahlst Du: Mit Know-How-Verlust, Kontrollverlust oder tatsächlich ganz profan mit Cash. Win-Win nahezu ausgeschlossen.

Mal schauen wann Diageo diese Lektion lernt und auch wieder verstärkt auf den „boring and non emerging but stable and reliable market“ Europa setzt. Wenn wir uns bis dato nicht „selbst versorgen“. Mit Slyrs und Co. ;-). Womit ich dann wohl auch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen bin.

2 Thoughts on “Diageo kommt in China ins Stocken

  1. So richtig Mühe gibst Du Dir nicht mehr so wirklich deine eigene Meingung zu verstecken….Ist aber ein witziger Beitrag. Alles gut!!

  2. Pingback: Weekly Maltflash Nr. 3: KW 5 vom 27.01.2014 – 02.02.2014 | Malts and Metal

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