Diageo CEO Paul Walsh macht richtig Kasse: 70 Mio. € Abschiedsgeschenk steht!

Wenn man diese Summen hört, dann bekommt man wirklich einen Eindruck was mit dem Standardgejammer deutscher Top-Manager  gemeint sein könnte, wenn Sie sagen:  im internationalen Vergleich würden Sie ja nur Peanuts verdienen!

Damit nicht der falsche Eindruck entsteht: ich bin kein Sozialromantiker und weit davon entfernt reflexartig eine neidinduzierte Brandrede gegen  alle zu halten, deren Bezüge das zigfache meiner Eigenen betragen. Das Festsetzen einer Vergütung trägt nun mal immer einem komplexen Mix aus den unterschiedlichsten Interessenslagen Rechnung und unterliegt insbesondere bei Vorständen und Geschäftsführern neben rechtlichen Rahmenbedingungen einer Vielzahl weiterer, vor allem sich teilweise wechselseitig beeinflussender Parameter. Aber bei einem 70 Mio. € Abschiedsgeschenk kocht die britische Volkseele nicht minder als sie es hierzulande tun würde.

Paul Walsh war es immmerhin, der kürzlich wegen mangelnder Rentabilität die Johnnie Walker-Fabrik in Kilmarnock schloss. Dabei verloren 700 Menschen auf einen Schlag ihren Job und oft ihre Existenzgrundlage. Kilmarnock war im Übrigen nicht irgendeine Whiskyfabrik, sondern Johnnie Walker gründete hier im Alter von 14 Jahren sein Imperium. Aber auch für das Städtchen mit seinen knapp 45.000 Einwohnern war das ein Schlag, der bis heute nicht richtig verdaut werden konnte.

Aus Sicht der Investoren allerdings muss man klar konstatieren, dass Paul Walsh schlicht „geliefert“ hat. Seit seinem Antritt im September 2000 hat sich der Marktwert von Diageo von 19.7 Milliarden GBP (britische Pfund) auf fast 50 Milliarden GBP erhöht. Analysten rechnen vor: wer damals 100 GBP in Diageo investierte, hat daraus (inkl. Dividende) über die Jahre 538 GBP gemacht.

Der Preis dafür allerdings war hoch, denn Paul Walsh drehte in dieser Zeit rigoros an der Kostenschraube und provozierte immer wieder Proteste bei Politikern und Gewerkschaftern.  Bereits im Jahr 2010 ereilte die Grain Distillery Port Dundas das gleiche Schicksal wie jüngst Kilmarnock. Unter großem Protest wurde Sie schlicht dicht gemacht, auch hier verloren 200 Menschen von heute auf morgen Ihren Job.

Dennoch: In den letzten Jahren hat Walsh nach Aussagen von Analysten den „return on investor capital“ (eine Art ROI) von 11 % auf über 14 % gehievt und gleichzeitig – und das ist eigentlich das Wichtige – die Operating Margin von 20% auf über 30% verbessert. Das heißt Diageo ist heute deutlich effizienter im Kerngeschäft unterwegs als vor Walsh – und das wiederum sichert langfristig auch Arbeitsplätze.

Ich selbst habe bereits Situationen begleitet in denen es notwendig war, kurzfristig unangenehme Einschnitte vorzunehmen um langfristig Arbeitsplätze zu  sichern und Menschen eine Perspektive zu bieten. Ob das hier der Fall ist, wage ich nicht zu beurteilen. Genauso wenig, ob die Leistung von Paul Walsh ein Abschiedspaket in dieser Höhe rechtfertigt. In der breiten Öffentlichkeit wird es vor diesen Hintergründen sicher schwierig zu vermitteln sein. Bei Analysten und Aktionäre jedoch trifft das Paket sicher nicht auf allzu großes Unverständnis.

||Hier||, ||hier|| und ||hier|| ein paar Links mit Hintergrundinformationen.

2 Thoughts on “Diageo CEO Paul Walsh macht richtig Kasse: 70 Mio. € Abschiedsgeschenk steht!

  1. Ein schwieriges und komplexes Thema, das du da anschneidest. In den 70er und 80er Jahren hat es beispielsweise die englische Automobil-Industrie versäumt, rechtzeitig zu rationalisieren, mit dem Erfolg, dass am Ende eine ganze Branche ruiniert war und englische Automobile heute nur noch eine Randerscheinung im Luxus-Segment sind. Natürlich ist der Verlust von Arbeitsplätzen bitter, ich lebe selbst in einer strukturschwachen Region und weiß, was das heißt. Andererseits wird Diageo in den nächsten Jahren über eine Milliarde Pfund in die schottische Whisky-Industrie investieren, und dadurch direkt und indirekt neue Arbeitsplätze schaffen.
    Die Frage nach der Einkommens-Verteilung in Europa ist jedoch eine ganz andere. Die ist nämlich alles andere als gerecht. In allen Branchen.

    • maltsandmetal on Mai 29, 2013 at 16:34 said:

      Ja, ich tu mir immer so ein wenig schwer mit dem Begriff „Gerechtigkeit“. Das Empfinden derselbigen ist halt eine äußerst subjektive und individuelle Angelegenheit. Im Zweifel ist alles ungerecht was mehr hat als ich ;-))).

      Aber je komplexer die Materie desto komplexer sind auch die Fragestellungen, die sich daraus ergeben und Änderungen oder Verbesserungsvorschläge können dann schon aufgrund der bloßen Komplexität von der Mehrheit nicht mehr als „gerecht“ wahrgenommen werden.

      Nimm zum Beispiel die letzte Änderung des Vorstandsvergütungsgesetzes (VorstAG) im Jahr 2009. Die einzelnen Punkte würden wohl die meisten für sich genommen als „gerecht“ empfinden. Am Ende des Tages hat es doch dafür gesorgt, dass die Vorstandsgehälter noch stärker gestiegen sind.

      Ich persönlich finde auch die aktuelle Diskussion gut, die durch die Abstimmung in der Schweiz auch hierzulande Einzug hält. Nämlich, dass die Anteilseigner künftig mehr Mitspracherecht erhalten. Denn für „mein Gerechtigkeitsempfinden“ sollte es eben so sein, dass derjenige, der etwas sein eigen nennt, darüber entscheiden darf. Im Falle börsennotierter Unternehmen sind dies eben die Aktionäre und nicht der Aufsichtsrat (wie es bei einer GmbH eben auch die Gesellschafter sind).

      Aber das ist ebenfalls eine rein subjektive Empfindung meinerseits. Ob dies, sollten hier Änderungen tatsächlich kommen, wiederum dazu führen wird, dass das vermeintliche Gerechtigkeitsempfinden der „breiteren Masse“ befriedigt ist – nämlich gefälligst „weniger Moos für die da oben“- ….das steht in den Sternen ;-).

      Aber das ist auf jeden Fall ein Thema, dass man genüsslich bei ein oder zwei Dram bis zum Morgenrauen durchdiskutieren kann.

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