Nicht gerade „Gentleman-like“: William Grant & Sons verklagt neuseeländische Whiskybutze

KiwiIch halte sehr viel von William Grant & Sons, drittgrößter Produzent von Scotch Whisky – nach Diageo und Pernod Ricard. Es ist ohne Zweifel eine bewundernswerte Leistung bei all den globalen Playern, die sich da mittlerweile im gemälzten Alkoholsegment tummeln, als inhabergeführtes Familineunternehmen nicht nur so ein wenig mit zu mischen, sondern seit Generationen so richtig fett am Start zu sein. Aber jetzt nach kleinen Kiwis zu treten, ist echt nicht gerade die feine Englische und schon gar nicht „gentleman-like“.

Ich muss ||hier|| lesen, dass William Grant & Sons in Neuseeland gerade die Dunedin Destillerie, teil der New Zealand Whisky Company verklagt. Und zwar weil diese mit Ihrem 10jährigen Dunedin DoubleWood angeblich maßgeblich beim Verbraucher für Verwirrung sorgen könnten, denn – ja – die Bezeichnung DoubleWood gibt´s halt eben auch bei Balvenie – einer Destillerie von William Grant & Sons.

Bei aller Liebe für Balvenie und die DoubleWoods, und TripleWoods, und Port Woods, und „um-12-Uhr-Nachts-bei-Vollmond-abgefüllten“-Woods aus der Speyside, stellt man sich auch als „Sympathisant“ schon die Frage: Was soll das denn jetzt?

Lassen wir mal außen vor, wer jetzt Recht hat und wer zuerst die Bezeichnung „Double Wood“ wo verwendet und bei wem hat schützen lassen – im Artikel gibt´s dazu mehr Info`s – sondern schauen uns das ganze mal ganz commod aus der Meta-Ecke an. Die Neuseeländer sind malzwasserseitig nicht gerade begünstigt. Faktisch ist eine Destillerielandschaft in Neuseeland quasi nicht vorhanden. Eigentlich verwunderlich, denn die Einwohner Neuseelands stammen entweder von den Maori ab oder von den Schotten. Aber bis auf ein paar kümmerliche Versuche, gibt es in Neuseeland keine einzige Destillerie, die wirklich über einen langen Zeitraum kontinuierlich produzierte. 

Ginge es nach New Zealand Whisky Company Shop Manager Kay Hansen – herrlich diese Namensähnlichkeit mit einem sehr bekannten deutschen Power Metal-Musiker – soll sich das grundlegend ändern. Natürlich keimen durch den Gewinn von ein paar armseligen Auszeichnungen des 10 jährigen Dunedin – World Whisky Awards 2013: GOLD – Best Australasian Blended Whisky und San Fransico Spirit Awards 2013: SILVER – nun die Hoffnungen auf ein großes Ding. Träumen, oh…entschuldigung, das Entwickeln unternehmerischer Visionen ist ja auch legitim. Genauso wie das Verbrennen von massenhaft Venture Capital Millionen  beim Realisieren dieser Träume…ach..entschuldigung nochmal: Visionen. Das ist ja im Übrigen grad bei unserem allzu hoch gehypten Startup-Mekka Berlin gerade furchtbar en vogue. Aber ich schweife mal wieder ab.

Vom Investieren und Verbrennen von Millionen ist die neuseeländische Whiskyindustrie Meilen, ja fast Lichtjahre entfernt. Daran werden auch ein paar Awards nichts ändern, die eh ungefähr genauso „restriktiv“ vergeben werden, wie Siegerurkunden bei den Bundesjugenspielen. Womit wir wieder bei meiner Ausgangsfrage wären: Was soll das denn jetzt? Geht es ums Prinzip oder hat William Grant & Sons gerade mit der Auslastung der eigenen Legal-Abteilung zu kämpfen? So hart kann doch der Verdängungswettbewerb jetzt nun wirklich nicht sein, dass man nach neuseeländischen Minibrutzelbuden treten muss, oder doch?

Abschließend muss ich zugeben: Ich kann keine Antworten darauf liefern und es möge sich bitte jeder sein eigenes Bild über ein solches Geschäftsgebahren bilden. Was ich sagen kann, ist, dass dieses Verhalten bei mir dazu geführt hat, dass ich erstmalig überhaupt von Dunedin gehört und mich damit beschäftigt habe, tatsächlich auch schon mit einer Flasche liebäugle und mich genötigt gesehen habe diesen Blogbeitrag zu verfassen.

Wenn das alle so machen würden, kann ein solcher Schuss auch mal nach hinten los gehen, oder?  ;-). Im Übrigen || hier noch der Link || zur New Zealand Whisky Company.

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