Burgtasting in der Kyrburg: Prädikat besonders wertvoll!

Burgtasting_04Schon lange stand ein Besuch zu einem der fast schon legendären – weil immer schon Wochen im Voraus ausgebuchten – Tastings in der Kyrburg zu Kirn aus. Letzten Samstag hat es dann endlich gepasst, also meine Frau eingepackt und ab zum „Burgtasting“.

Keine Angst, ich werde jetzt nicht mit ellenlangen Geschmacksnotizen nerven, die bei einem Tasting mit 6 Whiskys, einem ausgiebigen Drei-Gänge-Menü und einer atemberaubenden Location eh für die Füße sind. Unter derartigen Umständen würde sogar ein Loch Lomond NAS wie der flüssige Gerstenhimmel munden (nicht, dass der dort von Horst Kroll –  Tastingleiter, Küchenchef, Burgherr und Inhaber in Personalunion – kredenzt worden wäre). Ein kurzer Abriss, ein paar bunte Bildchen und eine Empfehlung – that´s it.

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Den Startschuss gab ein sommerlicher Whiskycocktail auf der Terrasse des Burgrestaurants. Dort wurden auch die ersten beiden Gänge serviert – ein umwerfendes Panorama, leckeres Essen und ein aufspielendes Duo, bestehend aus dem Trierer Bänkelsänger Andreas Sittmann (ein echt witziger Kerl, der als „Hintergrundbegleitung“ dem ganzen Abend einen Rahmen gegeben hat à http://www.andreas-sittmann.de) und einem jungen Dudelsackspieler in stilechter Tracht. Ein Opener nach Maß.

Der Bauch war gefüllt, also hieß es auf zum Tasting: Die ersten drei Whiskys sollten während eines Burgrundganges verkostet werden. Somit begrüßte uns der Burgherr Horst Kroll mit dem ersten Tröpfchen – einem 15 jährigen Dalwhinnie – am Fuße der Burg. Ein paar einführende Worte, der erste Schluck und danach gab es wieder ein oder zwei Einlagen vom Bänkelsänger Andreas um den Rest des Glasinhaltes mit humoristisch musikalischer Begleitung zu genießen.

Ein kleiner Fußmarsch weiter die Burg hinauf und auf einem mittleren Plateau wartete wieder Burgherr Horst – diesmal mit einem Glendronach in Fassstärke (jedoch ohne Altersangabe).

Auch hier: ein paar erklärende Worte und danach wieder die Einlage von unserem Bänkelsänger. Der kam so langsam richtig in Fahrt und konnte mittlerweile doch einige echte Lacher einsacken.

Burgtasting_13Weiter ging es zu Fuß die Burg hinauf und oben angekommen, sollte dann das erste von zwei absoluten Highlights stattfinden. Auf dem höchsten Punkt der Burg waren ausreichend Stühle aufgestellt und der Burgherr kredenzte den nigelnagelneuen Balvenie Triple Wood. Ich habe mich gefreut wie Bolle, denn auf den warte ich seit geraumer Zeit. Danach nahmen wir Platz und Andreas stimmte wieder ein paar Akkorde an, aber diesmal deutlich sanfter und mit Unterstützung einer kleinen PA (für die Nichtmusiker = Beschallungsanlage).

Burgtasting_12Hoch oben auf einer malerischen Burg mit einem tollen Malt im Glas, „Leaving on a jet plane“ live und gut performt in den Ohren und am Horizont versinkt die Sonne just in diesem Moment im Horizont – Gänsehaut-Feeling pur und kein Eventmanager dieser Welt hätte dies perfekter arrangieren können.

Nach vier oder fünf weiteren musikalischen Nummern – die mir als altem Metalhasen irgendwann dann doch ein wenig zu seicht daherkamen – hatte sich in der Gruppe eine angenehm sentimentale Grundstimmung breit gemacht. Umso beschwingter traten wir den Rückweg an (klingt schlimmer als es ist – höchstens 5 Minuten in gemächlichem Spaziergang) und unten angekommen wartete im Vorhof die mehr als gelungene Nachspeise bereits auf den genussvollen Transport vom Glas über den Rachenraum in den Magen.

Stante pede folgte Highlight Nummer zwei: das Whiskymuseum. Betritt man nach einem kurzen, aber steilen Abstieg den Saal, so verschlägt es einem nicht nur als Whiskyliebhaber schier die Sprache, ob des umwerfenden Flairs. Eine unglaubliche Location bestehend aus einem tiefen Kellergewölbe, gefüllt mit unzähligen Schätzen und Kleinoden.

Hier standen bereits die restlichen Whiskys bereit: ein 12 jähriger Highland Park und der aktuelle Talisker Port Ruighe. Begleitend  erzählte uns Horst ein paar Basics und Hintergrundinfos zu den Themen Herstellung und Fassreifung. Danach kredenzte er noch eine frische Gulaschsuppe im Gewölbekeller des Museums.

Seinen würdigen Abschluss fand das Tasting dann darin, dass Barde Andreas noch ein wenig vor sich hin trällerte und ich mir einen letzten herrlichen Dram – einen Glenfarclas von 1978 –  aus dem überreich gefüllten Ausschank (die Preise sind nicht ganz günstig, aber auch nicht übertrieben) einschenken lies. Das herrliche Ferkelchen aus Schottland in der einen und das andere Ferkelchen aus der Pfalz (meine Frau ;-)) in der anderen Hand schlenderte ich auf der Suche nach den letzten Schätzen und Sehenswürdigkeiten zum Ausklang dieses gelungen Abends durch das Gewölbe.

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By the way: In einer Vitrine fand ich neben einigem Anderen eine ungeöffnete Flasche Macallan aus dem Jahre 1886. Ehrfurchtsvoll verharrte ich hier einige Minuten in stiller Andacht, kurz davor mich in den Staub zu werfen und zu rufen: „Ich bin unwürdig, ich bin unwürdig!“.

FAZIT:

Das Burgtasting ist sicher nichts für Maltnerds, denen es darum geht, die edelsten und rarsten Tropfen zu verkosten. Die Whiskys bewegen sich verständlicherweise eher im Einsteigerbereich: guter Standard und von allem ein bisschen was.

Wem es aber um das Gesamterlebnis aus hervorragendem Essen, einer umwerfend stimmungsvollen Location und kurzweiliger Abendbespaßung geht, dem kann ich das Burg-Tasting nur aller wärmstens – eigentlich schon brühend heiß – empfehlen. Wenn dann noch wie in unserem Fall das Wetter mitspielt, dann verdient dieses Happening durchaus das Prädikat „unvergesslich“! (Im Übrigen werden für die Nerds unter uns eben auch zahlreiche Fortgeschrittenen – Tastings auf der Kyrburg wie z.B. das Raritäten – Tasting angeboten. Aber dazu next time oder wann annersch – wie wir hier sagen!)

Meine Frau und ich werden zukünftig sicher öfter vor Ort sein, sei es um einfach die gute Küche nebst zugehörigem Fernblick auf der Terrasse zu genießen, den ein oder anderen Dram im stilvoll authentischen Pub zu genießen oder eben auch das ein oder andere Tasting im genialen Whiskymuseum mit zumachen.

Prädikat besonders wertvoll!

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